Sommerloch Teil 3: Der Tod in Spandau

Posted 31. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Berlin, Sommerloch

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“Ist ja ganz nett hier bei Ihnen im Sommerloch,” sagte ich zu meinem Nachbarn. “Aber langsam kriege ich kalte Füße. Der Boden ist so matschig.”

“Das ist Heilschlamm,” behauptete mein Nachbar. “Komm, bleib noch ein bißchen. Ich geb dir ein Sternburger aus.”

“Kalt oder Lauwarm?” fragte ich.

“Zimmertemperatur,” sagte er.

“Nein danke,” antwortete ich.

Freundin Fridoline erschien am Rande des Lochs und half mir hinaus.

“Komm,” sagte sie, “wir fahren mit dem Bus 134 ans Westufer der Havel und dann mit der Fähre über den Wannsee. Dafür braucht man bloß ein normales BVG-Ticket.”

“Tolle Sache,” sagte ich. “Wird gemacht.”

Den Bus 134 kann man beim Rathaus Spandau besteigen. Wenn man da mit der U7 hinfährt, wird man ganz glücklich von der Pracht, die einem aus den verschiedenen U-Bahn-Stationen entgegenleuchtet. Na gut – dreckig, alt und niedrig mögen sie zwar sein – aber jede Station sieht anders aus, die eine nüchtern und dunkel, die andere märchenhaft bunt, und der U-Bahnhof Spandau mit seinen weißen Säulen erfreut das Herz des Reisenden ganz besonders. Unverständlicherweise hatten die anwesenden Spandauer kein Auge für die Schönheit ihrer Umgebung. Sie standen alt und griesgrämig im strahlenden Sommerwetter und kauten verbittert an ihren Eistüten herum. Ob die Leute am U-Bahnhof Spandau immer so gucken, oder war gerade etwas besonders Schlimmes passiert? Das Alter an sich ist keine Entschuldigung für schlechte Laune, schließlich werden wir alle einmal alt, falls wir nicht vorher sterben. Hatte die Regierung etwa beschlossen, die Renten für ganz Spandau zu halbieren, oder hatte der Schachverein Spandau gerade eine schmähliche Niederlage gegen die Schachfreunde Moabit hinnehmen müssen?

Kurz darauf verstand ich. Die Spandauer waren nicht griesgrämig, sie waren zu Tode betrübt, denn der Tod ist ein oft gesehener Gast in Spandau. Jedenfalls hat er hier viele Adressen. Er kehrt ein bei einem der zahlreichen Bestattungsinstitute, die hier so dicht gesät sind wie im Prenzlauer Berg die Mutter-Kind-Cafés. Eines heißt gar der-billigbestatter.de und wirbt mit dem beruhigenden Slogan: “Ein geschmackvolles Begräbnis muß nicht teuer sein.” Toll, was man heute per Mausklick so alles bestellen kann! Ein Autohaus wenige Straßen weiter trifft den Nagel auf den Kopf mit einem Spruch, der in solch morbider Umgebung nur zweideutig aufgefasst werden kann, nämlich: “Sie legen die Füße hoch, wir erledigen den Rest.”

P.S.: “Spandau ist ganz anders, nämlich froh und lebenslustig!” schreibt mir Herr G., wohnhaft ebendort. Er fordert mich außerdem dazu auf, meine “unseligen Vorurteile zu begraben” und den “goldenen Rücken Spandaus” kennen zu lernen. Wird gemacht, Herr G.! Bitte erklären Sie mir, wo der goldene Rücken Spandaus liegt, und ich eile wie der Wind dorthin.

Teil 2: Wie es im Sommerloch weiterging

Posted 27. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Sommerloch, Uncategorized

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“Ich habe noch eine weitere Idee, wie der Staat wieder zu Geld kommen kann,” sagte mein Nachbar.

“Und das wäre?” fragte ich.

“Kif,” flüsterte mein Nachbar.

“Wie bitte?”

“Hasch, Marihuana, Cannabis, Dope, reever, les rêves maroquins…”

“Tut mir leid,” sagte ich. “Ich habe nichts.”

“Blödsinn! Ich will doch gar nichts. Nein – im Gras liegt die Lösung des Finanzproblems!”

Er rollte mit den Augen. Ich trat vorsichtshalber einen Schritt zurück, stieß dabei aber mit dem Rücken gegen die Wand des Sommerlochs.

“Ja?” fragte ich vorsichtig.

“Ja!” rief er bestimmt. “Die Lösung ist: die Kiffersteuer! Auf alles zahlen wir eine Steuer – auf Essen, Trinken, Bücher, sogar fürs Arbeiten – aber nicht aufs Kiffen. Das ist eine unerschlossene Goldmine, die nach der fiskalen Spitzhacke lechzt. Denk mal an die ungeheuren Geldmassen, die täglich auf dem Drogenmarkt umgesetzt werden, ohne daß ein einziger Cent Steuern gezahlt wird.”

“Aber Drogen sind doch verboten!” rief ich entgeistert.

“Das müsste man eben ändern,” sagte er grimmig. “Zum Wohle des Vaterlands und unserer Staatskasse.”

Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr leuchtete mir sein Vorschlag ein. Ich fürchte aber, daß er wie so manch andere gute Initiative im Sommerloch stecken bleiben wird.

Fußbad im Sommerloch

Posted 24. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Sommerloch, Uncategorized

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Gestern trat ich vor die Haustür und klapperte erstaunt mit den Augenlidern. Ein Loch hatte sich aufgetan, kreisrund, mit zwei Metern Durchmesser, mitten auf dem Gehweg.

“Hallo,” sagte mein Nachbar, wie immer schwer nach Nikotin und Sternburger riechend. Er stand auf dem Boden des Lochs und sah zu mir hinauf.

“Hallo,” grüsste ich zurück. “Was ist das für ein Loch?”

“Sommerloch,” antwortete er. “Das gibt es hier jedes Jahr.”

“Aha,” sagte ich.

“Komme Sie doch herunter,” lud er mich ein und wies auf eine Leiter am Rand des Lochs. “Aber ziehen Sie Sich vorher die Schuhe aus. Der Boden ist naß.”

“Naß?”

“Das ist sehr erfrischend,” erklärte er. “Ich stehe hier Stunden lang, wenn es so heiß ist wie in den letzten Tagen.”
Ich kletterte hinab und stellte mich neben ihn. Ja, es stimmte: Hier unten war es angenehm dunkel und kühl, und der Matschboden machte lustige Furzgeräusche unter meinen nackten Sohlen.

“Hier habe ich immer die besten Einfälle,” sagte mein Nachbar. “Vorhin z.B. ist mir die Lösung für die Staatsschulden eingefallen. Mehr Steuern!”

“Aber es gibt doch schon soviele Steuern,” wandte ich ein.

“Nicht für Luft!” rief er. “Das ist es: Man muß die Luft besteuern. Atmen muß schließlich jeder. Die Luftsteuer saniert den Staat!”

“Gibt es schon,” sagte ich.

“Was?” Er war ganz entgeistert. “Habe ich noch nie gezahlt.”

“Nur in Luftkurorten,” erklärte ich. “Wenn man dort auf Besuch ist, muß man jeden Tag 1,50 Euro Kurtaxe zahlen, für die gesunde Luft.”

“Unglaublich,” sagte er. “Aber hier in Berlin gibt es das noch nicht.”

In diesem Moment musste ich husten, weil oben ein LKW vorbei fuhr.

“Es wäre eine Schande, für diese Luft Geld zu nehmen,” sagte ich mit Tränen in den Augen.

Er nickte trübsinnig. Einen Moment später hellte sich sein Gesicht wieder auf.

“Ich habe noch eine Idee!” rief er.

Was für eine Idee das war, und wie es uns im Sommerloch weiter erging, erzähle ich nächstes Mal.

Potsdamer Platz

Posted 17. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Berlin

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Hin und wieder bekomme ich Besuch von Freunden, die Berlin nicht kennen und den Potsdamer Platz sehen wollen. Ich gebe dann vorsichtig zu bedenken, daß Berlin mir überall besser gefällt als gerade dort, aber wenn sie darauf bestehen, gehe ich natürlich trotzdem mit. Rein in die S-Bahn, raus aus der S-Bahn und die Rolltreppe hoch.

“Bitteschön,” sage ich, von einer hübschen Geste untermalt, “der Potsdamer Platz.”

“Oh,” sagt der Besuch. Dann bringt uns die Rolltreppe schnell wieder nach unten und wir fahren woanders hin.

Warum fühle ich mich nicht besonders wohl am Potsdamer Platz? Häßlich ist es dort nicht, jedenfalls habe ich Schlimmeres gesehen. Auch der Wind, der an manchen Tagen durch die Straßenschluchten pfeift, stört mich nicht. Ich mag Wind, ich lasse mich gerne von ihm beuteln, warum denn auch nicht. Und daß man je nach Sozialisierung den Eindruck bekommt, durch die Kulisse eines Ego-Shooters oder über den Bildschirm eines Architekturpraktikanten zu marschieren, kann mich auch nicht schrecken. Ist es am Ende die Tatsache, daß man beim Café vor dem Kino vier Euro für ein abgestandenes Weißbier bezahlt? Wohl kaum, anderswo habe ich noch viel abgestandenere Weißbiere für noch viel teurere vier Euro getrunken.

Nein, der Potsdamer Platz hat nur einen richtigen Mangel: Er ist charakterlos, er hat nichts, was das Herz bindet oder auch nur das Auge länger als einen Springbrunnenmoment fesselt. Und das in einer Stadt wie Berlin, wo sogar der unscheinbarste Hundehaufen sich Mühe gibt, was Eigenes zu sein.

Aber wo man mit der S-Bahn hin kann, kann man glücklicherweise auch wieder mit der S-Bahn weg.

Der Mauerpark 2

Posted 15. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Berlin

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Er bietet keinen besonders malerischen oder auch nur gepflegten Anblick, der Mauerpark. Ein Pflasterstraße durchschneidet ihn in etwa nord-südlicher Richtung. An der einen Seite der Straße liegt eine Großstadtwiese, an der anderen ein mit dürrem Grün bewachsener Hang, der zum Turnvater-Jahn-Sportplatz hinaufführt, sowie ein unansehnliches Amphitheater aus Beton. Den Erdboden zieren ungezählte Bierdeckel, den Himmel über dem Wedding prunkt, wenn man Glück hat, mit einem charmanten Teppich aus Schäfchenwolken. Sonntags gibt es den Mauerparkmarkt, ein Flohmarkt eben, ziemlich überlaufen, auf dem man alles Mögliche kaufen kann, das man nicht braucht.

Das alles ist zwar nett, aber es macht den Park nicht fett. Was den Reiz des Mauerparks ausmacht, ist das fröhliche Nebeneinander von seinen Besuchern. Es gibt keinen Zaun, eine Mauer schon gar nicht, zu jeder Tages- und Nachtzeit kann jeder hinein. Meistens sind es junge Leute, die sich hier tummeln, aber auch Familien, Hundebesitzer und ältere Berliner treiben sich hier herum. Es gibt Jongleure, Skateboarder, Punks, schöne, buchlesende Mädchen und Jungs, Alkoholiker, Liebespaare, die obligatorischen Boulespieler, gute und schlechte Musikanten, Frisbeewerfer, einsame Poeten und solche, die es werden wollen… und alle sitzen oder liegen sie recht fröhlich auf ihrem kleinen Stückchen Gras und scheren sich einen freundlichen Dreck um einander, machen ihr Ding und stören die anderen höchstens aus Versehen.

Auf den ersten Blick ist das nichts Besonderes. Überlegt man sich aber, daß hier einmal eine Mauer stand, die viele Leute davon abgehalten hat, daß zu tun, worauf sie gerade Lust hatten, z.B. ihre Familie oder ihre Freunde zu besuchen, eine Mauer, die manche Leute sogar das Leben gekostet hat, dann ist diese unscheinbare Parkfreiheit eine feine Sache. Im Mauerpark steht kein Denkmal, gibt es keine Plakette mit großen Worten und häßlichem Graffiti, keine wahnwitzige Gedenkkunst irgendeiner Couleur. Der Park selbst ist ein Zeichen: Hier gibt es Platz für jeden, auf daß er sein Leben so lebe, wie er das will. Daß Deutschland diesem Anspruch gerecht wird, wage ich nicht zu behaupten. Daß ich Deutschland und jedes andere Land gerne so hätte, das weiß ich ganz sicher.

Morgen werde ich über einen Ort berichten, der mir weitaus weniger am Herzen liegt: Der Potsdamer Platz.

Der Mauerpark

Posted 14. Juli 2009 by vandeboter
Categories: Berlin

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Für einen Ortsfremden hat dieser Name einen magischen Klang. Mauerpark – ist das ein Park aus Mauern, vielleicht ein Labyrinth, durchbrochen von kleinen Plätzen mit giftig plätschernden Springbrunnen, lustigen Fallgruben und beißfröhlichen Fabelwesen? Ist es ein Park wie eine Mauer, auf einer Mauer, hunderte von Metern lang, aber nur einen halben Meter breit? Oder ist es ein Park, in dem Mauern aus aller Welt ausgestellt werden, von der senegalesischen Keramik-Schichtkreis-Mauer zur oberfränkischen Umlaufmauer aus Zinnoberzement, dem Publikum zugedacht zur geistigen Erhebung, gleichzeitig aber auch als Mahnung, die Mauer in Ehren zu halten? Schließlich haben Mauern einen schlechten Ruf, besonders hier in Berlin.

Eine Mauer, das ist ein langes, unbewohntes Gebäude ohne Fenster, Dach, Fußboden und all die anderen Sachen, die ein Haus wohnlich machen, mit nur wenigen Türen, die meist abgeschlossen oder gar bewacht sind. Mauern sind böse und schlecht. Sie trennen, was zusammengehört, Romeo und Julia zum Beispiel, aber auch ganze sich liebende Bruder- und Schwesternvölker, sie beschützen Tyrannen vor der Wut der unterdrückten Masse, sie trennt das reiche Dein vom armen Mein und macht ein fröhliches Unser unmöglich – um mal ein paar der geläufigsten Vorurteile gegen Mauern aufzuzählen.

Meine erste Mauer war ganz anders. Es war eine Stützmauer direkt hinter unserem Haus, die einen kleinen Berg davon abhalten musste, auf unser Haus zu fallen, eine Aufgabe, die sie bisher zur allgemeinen Zufriedenheit bewältigt hatte. Sie bestand aus rötlichen, unregelmäßig geformten Steinen, so groß wie Badezimmermülleimer. Ich spielte gerne in dem schmalen Streifen zwischen Mauer und Haus, weil es da so angenehm muffig roch und es vor Wimmels nur so asselte. Jeden Tag war die Mauer ein bißchen schiefer, über Nacht waren die Steine pflichtvergessen und ließen sich vom Berg ein wenig weiterschieben, und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Mauer mitsamt Berg auf das Haus fallen würde.

Jedenfalls dachte ich das damals.

Vor einem guten Jahr war ich einmal dort. Die Mauer steht immer noch, man hat sie renoviert, geputzt und ihr auf die Schulter geklopft, und sie hält dem Berg weiterhin stand. Die Berliner Mauer hingegen ist weg, und seitdem gibt es den Mauerpark. Der ist nicht ganz so märchenhaft, wie ich das vorhin angedeutet habe. Trotzdem ernenne ich ihn hiermit offiziell zu einem meiner Lieblingsplätze in Berlin. Das hat mit allem Möglichen zu tun, über das ich morgen berichten werde.

Großzügigkeit 2: Aus eigener Tasche

Posted 13. Juli 2009 by vandeboter
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Freundin Clementine, wohnhaft in Edinburgh, erzählte mir von einem Urlaub in Berlin vor zwei Jahren. Mit einer Freundin zog sie nacht durch die Diskos und lernte dabei einen großen, freundlichen Mann kennen, der sie unter seine Fittiche nahm und ihnen die angesagtesten Clubs der Hauptstadt zeigte. Er war höflich und äußerst großzügig. Erstens bestand er darauf, Clementines Handtasche zu tragen. Zweitens ließ er es nicht zu, daß die Mädchen irgendwelche Eintrittsgelder oder Getränkerechnungen übernahmen; er bestand darauf, alles für sie zu bezahlen.

Irgendwann hatten Clementine und ihre Freundin genug und wollten zurück ins Hostel. Der Mann ließ sie erst gehen, nachdem sie einen Abschiedsdrink zu sich genommen, ihn auf die Wange geküsst und dabei versprochen hatten, ihren neuen Freund nie zu vergessen. Sie verließen ihn, wie Clementine berichtet, mit einem seltsamen Gefühl, beinah ein wenig schuldbewußt, denn es war ihnen klar, daß der Mann sich wahrscheinlich mehr von seiner Investition versprochen hatte als einen Wangenkuß. Aber das war natürlich seine Sache – schließlich hatten sie nichts versprochen, im Gegenteil, er hatte ihnen seine Großzügigkeit regelrecht aufgedrängt.

Als sie aber vor dem S-Bahn-Automaten ihr Kleingeld zusammensuchten, wurden sie mit einer unangenehmen Feststellung konfrontiert. Ihr Geld war beinah alle. Der große Gönner hatte sie mit ihrem eigenen Geld ausgeführt, das er einfach aus der Handtasche genommen hatte.

Clementine erzählt, daß sie dem Mann nicht einmal richtig böse sein konnte. Er hatte so großen Spaß daran, sie auszuführen, meint sie, daß er es bestimmt auch getan hätte, wenn er das nötige Kleingeld selbst besessen hätte.

P.S.: Und die Moral von der Geschichte? Gibt es nicht. Wenn es eine geben sollte, könnte man den Vergleich machen mit dem Staat, der den Bürgern das Geld erst nimmt, einen Teil davon in die eigene Verwaltung schüttet und den Rest gönnerhaft wieder unters Volk wirft, von dem er davon eine gewisse Dankbarkeit zu erwarten scheint. Aber der Vergleich hinkt auf allen vier Beinen und deswegen wollen wir es erst gar nicht damit probieren.

Affen dürfen nicht Obama heißen

Posted 12. Juli 2009 by vandeboter
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Aeffchen August von Sachsen

Neulich gab es große Aufregung über ein Äffchen im Dresdener Zoo, das man auf den Namen Obama getauft hatte. Eine solche Namensgebung sei rassistisch, meinten die Kritiker, weil die Weißen die Schwarzen früher oft als Affen oder affenähnlich bezeichnet haben. Daß es so gemeint war, glaube ich nicht. Trotzdem hätte man das Problem ganz einfach vermeiden können, indem man ein Nashorn oder einen Adler Obama genannt hätte statt einem Affen.

Und noch einmal ist der Dresdener Zoo ungeschickt gewesen. Wegen der Kritik haben sie dem Affen seinen schönen Namen entzogen, an den er sich gerade erst gewöhnt hatte, und ihn stattdessen “Okeke” genannt. Aber wer heißt denn bitteschön Okeke? Vor allem Schwarze. Zum Beispiel Chibuike Okeke, ein Fußballspieler, der unter anderem für Chemnitz gespielt hat. Wenn man also einen Affen nicht Obama nennen darf, darf man ihn auch nicht Okeke nennen.

Der Affe hätte ruhig weiterhin Obama heißen dürfen, finde ich. Man hätte nur eines seiner Geschwister Angela nennen müssen und ein anderes Johann Wolfgang – dann gäbe es keinen Grund zur Klage mehr und man wäre politisch korrekt, ohne sich dem Diktat der Political Correctness zu beugen. Noch ein schönerer Name für einen Dresdener Affen wäre natürlich August von Sachsen. Aber sowas würde in manchen Dresdener Kreisen womöglich einen Skandal geben.

Ganz kurz

Posted 12. Juli 2009 by vandeboter
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Die Tiere betrauern den Tod des Herrn Jacke, Sohn von Opa Jacke, folglich auch Jacksohn genannt.

Wie Stiere gerne sterben

Posted 11. Juli 2009 by vandeboter
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Per Email erhielt ich die Aufforderung, eine Petition gegen den Stierkampf zu unterzeichnen. Ich war noch nie bei einem Stierkampf und werde so bald auch keinen besuchen. Trotzdem kann ich es mir gut vorstellen. Es ist alles wie beim Fußball, nur ohne Mannschaften, Ball und Tore, dafür gibt es einen großen, schwarzen Stier und der Schiedsrichter hat ein rotes Tischtuch statt einer Trillerpfeife. Dann passiert das, woran Tierfreunde sich zu Recht stoßen: Der Stier wird mit Wurfspeeren gespickt, mit Lanzen verwundet und schließlich mit einem Degen erstochen. Das ist natürlich eine Sauerei. So will man als Stier nicht behandelt werden. Die Stiere werden dementsprechend sehr wütend – was übrigens der Sinn der ganzen Übung ist, denn nichts betrübt den echten Aficionado so sehr wie ein phlegmatisches Tier – und probieren, den Schiedsrichter auf die Hörner zu nehmen, was aber meistens mißlingt, weil der immer so nervös hin- und herspringt und dabei mit dem Tischtuch wedelt. Nein, schön ist das nicht für den Stier.

Trotzdem kann ich mich dem Kampf gegen den Stierkampf nicht anschließen. Denn wer das Schicksal der Kampfstiere bedauert, sollte erst einen guten Blick auf das Los seiner Artgenossen in der fleischproduzierenden Industrie werfen. Da gibt es ein paar, die einigermaßen glücklich auf Weiden grasen dürfen und ein tierwürdiges Leben führen, mit Luft, Licht und anständigem Futter. Das gibt es bei Biobauern und bei den Nichtbiobauern – denn solche gibt es mit Sicherheit – die sich über das Wohl ihrer Tiere ebenfalls Gedanken machen.

Das billige Fleisch jedoch, das in den Gefriertruhen der Supermärkte oder auf den Tellern der meisten Restaurants auf uns wartet, kommt woanders her, nämlich aus dem Teil der Viehwirtschaft, der den Namen “Industrie” wirklich verdient. Hier findet man Weidetiere, die das Sonnenlicht nicht kennen; Schweine, die vollgestopft werden mit Anabolika, damit sie schneller wachsen, und mit Antidepressiva, damit sie einander vor Frust und Enge nicht kannibalisieren; Hühner, deren Futter und Unterbringung so billig sein muß, daß man sie zum Preis eines Sechserpacks Bier verkaufen kann, ohne Verlust zu machen.

Vergleichen wir das einmal mit dem Leben der Kampfstiere. Damit die in der Arena anständig Rabatz machen können, müssen sie groß, stark und gesund sein. Also kriegen sie Auslauf, haben anständig Platz, werden gut versorgt und führen ein vergleichsweise gutes Leben, wenn man von ihrem blutigen Ende absieht.

Fazit: Solange die Bioindustrie in ihrer heutigen Form besteht, kann man jedem Stier nur raten, eine Laufbahn als Gladiator einzuschalgen. Anstatt den Stierkampf zu verbieten, sollte man die industrielle Massentierhaltung zu dem Verbrechen erklären, das sie schon lange ist. Da das in absehbarer Zeit nicht passieren wird, sollten vernünftige Menschen sowenig wie möglich von diesem Folterfleisch kaufen und öfter einmal Gemüse essen.

Zu guter Letzt noch ein Trost für alle Stierkampfgegner – wie sagte noch Pedro Andaluz, der Autor der berühmten Stierkampfnovelle “Cuernos sangrientes”?

El toro no pierde siempre – Der Stier verliert nicht immer.